Lektüre: Payback-Regel
3. Meistens funktioniert Payback aber nicht
3.2. Problem 2: Cashflows nach der Payback-Periode
Das zweite Problem ist, dass die Payback-Regel alle Cashflows nach der Payback-Periode ignoriert.
Beispiel 5
Nehmen wir an, ein Unternehmen, das die Payback-Regel befolgt, kann zwischen den folgenden beiden Projekten wählen. Auch hier gehen wir von einem Kapitalkostensatz von 10% aus:
| Today | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 | |
| Projekt H | -1'000 | 1'000 | 0 | 0 |
| Projekt J | -1'000 | 500 | 500 | 100'000 |
Der Payback von Projekt H beträgt 1 Jahr, derjenige von Projekt J 2 Jahre. Da H das Kapital schneller zurückgibt, würde sich ein Unternehmen, das die Payback-Regel befolgt, für Projekt H entscheiden.
Bei der Berechnung der NPV der Projekte wird allerdings rasch deutlich, dass dies ein grosser Fehler ist. Die Payback-Regel lässt nämlich ausser Acht, dass Projekt J im Jahr 3 (dem Jahr nach Erreichen der Amortisation) einen enormen Cashflow hat. Dieser Cashflow fliesst in keiner Weise in die Investitionsentscheidung ein, wenn wir uns auf die Payback-Regel verlassen.
Die NPV-Regel liefert die richtige Antwort:
\( NPV_{H,10\%} = -1'000 + \frac{1'000}{1.1} = -91 \)
\( NPV_{J,10\%} = -1'000 + \frac{500}{1.1}+ \frac{500}{1.1^2}+ \frac{100'000}{1.1^3}= 74'999 \)
Der NPV von Projekt J (das mit der längeren Amortisationsdauer) ist enorm positiv, während Projekt H (mit der kürzeren Amortisationsdauer) zwar das investierte Kapital zurückbezahlt, allerdings den Investoren nicht die angemessenen Kapitalkosten verspricht und entsprechend Wert vernichtet. Offensichtlich sind Manager schlecht beraten, wenn sie in solchen Situationen blindlings der Payback-Regel folgen...